blog 22. September 2018

Sind RFID-Implantate eigentlich alltagstauglich

Sind RFID-Implantate eigentlich alltagstauglich?

Die sogenannten Chip-Implantate machen ihre Träger zu einem Cyborg. Das klingt aufregend, nach Science-Fiction und ein bisschen auch nach Star Wars oder Raumschiff Enterprise. Diese RFID-Implantate sollen aber bald zum Alltag gehören, da sie das Leben angeblich viel einfacher machen. Bei Haustieren funktioniert das schon seit einigen Jahren. Der Tierarzt chipt sie, damit der Besitzer sie im Notfall mittels eines Lesegerätes identifizieren kann. Was für das Haustier gut ist, kann für den Menschen nicht schlecht sein – oder doch?

In Schweden ein echter Hit

Bei Menschen wird der RFID-Chip zwischen den Daumen und dem Zeigefinger implantiert und dient in erster Linie der Identifikation. Das Smartphone lässt sich einfacher entsperren, das Wohnhaus mit der passenden Schließanlage ohne Schlüssel betreten. Auch wenn es um einen kleinen Snack aus dem Automaten geht, ist der Chip hilfreich. In Schweden laufen seit einigen Jahren Pilotprojekte und viele Schweden haben gleich mehrere Implantate. Die Menschen zahlen damit die Fahrkarten für die schwedische Reichsbahn und kaufen die Tickets für Konzerte und Veranstaltungen per Chip in der Hand. Vor allem bei der schwedischen Jugend kommt das Piercing mit Elektronik gut an. Sie sind begeistert von der Idee, als Cyborg durchs Leben zu gehen, aber der Alltag ist deutlich unspektakulärer als die Fantasie.

Der Nutzen ist eng begrenzt

Sind RFID-Implantate eigentlich alltagstauglich
depositphotos.com / 52379355@vetkit
Selbst wenn sich die Träger der RFID-Chips wie die Darsteller eines Science-Fiction-Films fühlen können, im alltäglichen Leben ist der Nutzen dieser Chips eng begrenzt. Das Problem ist die fehlende Infrastruktur, denn diese hat in Deutschland bisher Seltenheitswert. Zwar gibt es mittlerweile Schließanlagen, die sich per Chip in der Hand öffnen lassen, jedoch nur für die eigene Wohnung. In Mehrfamilienhäusern ist das so gut wie unmöglich. Zudem gelingt es nur sehr selten, den Arbeitgeber dazu zu bringen, die örtliche Schließanlage so zu programmieren, dass das Implantat auch passt. Nicht jedes Smartphone lässt sich entsperren, was sich im Alltag als mehr als unpraktisch herausstellt, wenn der Besitzer zwei freie Hände braucht. Die meisten bekannten Modelle verfügen nur über bis zu acht Kilobyte an Datenspeichermöglichkeit. Damit taugen sie nicht besonders viel, wenn es um den unter der Haut getragenen Chip geht.

Eine etwas naive Vorstellung

Alle, die sich durch ein Implantat wie ein Cyborg fühlen, kommen bedingt durch die eher schmalen Anwendungsmöglichkeiten sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Es ist eine etwas naive Vorstellung, einen sogenannten „kybernetischen Organismus“ mit der Technik zu verbinden, die heute für die Implantate in der Hand zur Verfügung steht. Jedes Smartphone macht seinen Besitzer mehr zu einem kybernetischen Wesen, als das ein RFID-Chip kann.

Im Grunde sind alle, die ein Smartphone oder ein Tablet nutzen, schon lange Cyborgs, auch ohne den kleinen Chip in der Hand. Die moderne Technik der Smartphones ist schon lange in der Gesellschaft angekommen und ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. Noch ist ein RFID-Implantat etwas sehr Simples, was mit der Technik und mit den Möglichkeiten eines Smartphones nicht mithalten kann. Bis es so weit ist, vergeht noch sehr viel Zeit. Heute ist der Begriff Cyborg lediglich ein Marketing-Gag, mehr ist es aber nicht.

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